Mannheim Marathon am 15.05.2004
Ich habe ja schon so einige Rennen in meiner Laufbahn als Handbiker gefahren. Da waren gute dabei und weniger gute und einige waren auch ziemlich mies organisiert. So lief es z.B. im Jahr 2000 in Köln und Frankfurt nicht so wirklich gut, weil die Inliner vor den Handbikern gestartet sind. Man mußte sich dann seinerzeit ab der Halbmarathondistanz durch zigtausende von Inlinern durchwurschteln. Das ist recht abenteuerlich und die Stimme leidet gewaltig. Ebenso war es im selben Jahr in Amsterdam. Da wollte der Veranstalter testen, ob man auf einem Kurs, der 2- mal zu umrunden war, Handbiker und Läufer starten lassen kann. Der Test ging gründlich in die Hose. In Hannover 1999 hat man dann getestet, wie viele Events man im selben Start/Ziel Bereich durchführen kann. Das gipfelte dann darin, dass die ersten Handbiker im Zielsprint direkt in die Startaufstellung des Minimarathon gebrettert sind.Wie gesagt, ich hab schon viel erlebt, aber der Mannheim- Marathon 2004 war die absolute Krönung. Man wollte wohl so etwas wie ein integratives Sportfest für Läufer, Skater und Handbiker ausrichten und hat es tatsächlich geschafft, alle o.g. Vorkommnisse in einer einzigen Veranstaltung zu vereinen. Ist auch kein Wunder, wenn als erstes die Inliner auf die Strecke gehen, dann 5 Minuten später die Handbiker und wiederum 5 Minuten danach die Marathonis. Um dem Ganzen noch ein wenig Würze zu verleihen, hat man den Start des Minimarathon 40 Minuten nach dem Start der Handbiker vorgenommen. Und zwar im Start/Zielbereich, wo die meisten Handbiker nach exakt dieser Zeit wieder durchkamen. In der Praxis sah das dann so aus, dass wir nach wenigen Kilometern die ersten Skater eingeholt hatten. Deren Anzahl steigerte sich natürlich kontinuierlich. Zum Glück fuhren die Skater aber nach der ersten Zieldurchfahrt eine andere Strecke, sodaß dieses Problem erstmal erledigt war. Jetzt fing es aber erst richtig an, weil wir nun auf zigtausende Läufer auffuhren. Der Veranstalter hatte im Vorfeld irgendetwas von "einigen vereinzelten Läufern" gesagt und von einer Gasse, die freigehalten wird. Dieser Mensch muß zu diesem Zeitpunkt unter Drogen gestanden haben. Da war weder eine Gasse noch ein Führungsfahrzeug noch irgendwelche Ordner. Die Handbiker mußten sich durch das gesamte Feld durchschreien. Ob das der Verständigung von Marathonis, Skatern und Handbikern dient, wage ich doch stark zu bezweifeln.
Um den Wahnsinn komplett zu machen, wurde dieses Rennen noch als Qualifikationsrennen der deutschen Handbiker für die Paralympics in Athen ausgewählt. Wer jetzt sagt, diese Vorkommnisse waren nicht vorhersehbar, hat sich nicht gut informiert. Auf der Internetseite des Mannheim-Marathon standen von Anfang an die Startzeiten, die Strecken und die angenommenen Durchgangszeiten. Es waren sogar "Hasen" für die Läufer mit entsprechenden Zeiten eingeteilt. Da braucht man nur zu rechnen. Mathe, 5. Klasse...
Ich hab mir eigentlich überlegt, dort nicht zu starten, aber die Neugier, ob es wirklich einen Veranstalter gibt, der ein solch gesundheitsgefärdendes Spektakel zuläßt, trieb mich dann doch in den Süden. Und alle Erwartungen wurden übertroffen. Achja, ich habe übrigens Ende letzten Jahres 2 E-Mails an den Veranstalter geschickt und auf diese Gefärdungen hingewiesen. Leider kam da keine Reaktion. Ich werde jedenfalls mein Startgeld zurückverlangen. Um die Stimme zu ruinieren, hätte ich auch sonntags um den Maschsee in Hannover fahren können. Da hätte man dann auch regen Kontakt zu anderen Sportsfreunden und Spaziergängern haben können. Achja, und einen Tipp an den Mannheim-Marathon: Nächstes Jahr noch ein paar Nordic-Walker einladen. Die können sich wenigstens wehren...
P.S.: Ergebnisse gabs auch...
Bilder von Birgit
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