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Handbike-Woche in Meran / Südtirol im April 2016

Autor: Stefan Kretzschmar

In diesem Jahr war ich aus verschiedenen Gründen nicht im Trainingslager auf Lanzarote. Meine Saison-Vorbereitung fand also den ganzen langen Winter auf meiner geliebten Trainingsrolle daheim im Wohnzimmer statt. Um wenigstens doch noch ein paar Freiluft-km sammeln zu können entschloss ich mich, Ende April für eine Woche nach Meran in Südtirol zu fahren.

Blick auf MeranVon der österreichischen Agentur „Grenzenlos Barrierefrei Reisen“ wurde eine Handbikewoche um Meran angeboten. Dieser Reiseveranstalter ist mir schon seit einigen Jahren bekannt. Wegen seiner individuellen Urlaubsplanungen für Rolli-Fahrer ein echter Geheimtip. Da ich als Handbiker allein unterwegs wäre, buchte ich eine extra Radbegleitung vor Ort dazu. Am Anreisetag wurde abends beim ersten Treffen die 1. Etappe besprochen. Da zuerst mein Liegebike zusammengebaut werden musste, entschied ich mich für eine möglichst einfache Runde zum Einrollen.

Tour 1 - Los geht's ...Tag 1: Durch die Apfelplantagen – Wir starteten direkt vom Hotel aus. Unsere Fahrt führte uns zuerst kreuz und quer durch Meran in Richtung Lana. Bereits hier machte sich die Radbegleitung bezahlt. Ohne Ortskenntnis wäre mir das Finden der richtigen Strecke sicher sehr schwer gefallen. Von Lana fuhren wir durch die vielen Apfelplantagen in Richtung Bozen. In Vilpian passierten wir die Etschbrücke und begaben uns für den Rückweg auf den Etschradweg. Der Radweg verläuft unmittelbar neben der Etsch und ist in Richtung Meran leicht ansteigend. Inzwischen war es ein herrlicher Frühlingstag geworden. Die Sonne schien, und  über Meran waren die schneebedeckten Gipfel der Texel-Gruppe zu sehen. In dieser Umgebung kurbelte es sich wie von selbst. Nach 33 km waren wir wieder zurück im Hotel. Nach dem leckeren Abendessen beschlossen wir, am nächsten Tag den Passeiertal-Radweg zu absolvieren.

Im PasseiertalTag 2: Passeiertal-Tour – Diese Etappe begann mit einem Pkw-Transfer talaufwärts bis St. Leonard. Dort gings dann ins Bike und auf dem naturbelassenen Radweg bergab in Richtung Meran. Durch den sandigen Untergrund bekam ich in dem flachen Liegebike ständig feinen Sand in die Augen. Da half auch keine Brille. Obwohl es auf diesem Radweg bis Meran rund 300hhm bergab geht, gab es auch 2-3 kurze knackige Anstiege, bei denen aufgrund der Steigung und des losen Untergrundes bei meinem Handbike sogar das Antriebs-Vorderrad durchrutschte und ich hoch geschoben werden musste. An einigen Brücken über die Passer setzte ich auch noch mit dem Bike auf. Eine Befahrung dieser Route mit Liege- oder auch Vorspannbikes ist meiner Meinung nicht zu empfehlen. Aufgrund der relativ anspruchslosen Downhill-Tour entschieden wir uns in Meran, noch ein paar km den Vinschgau-Radweg bergauf zu fahren. Am Ende waren dann wieder 31km geschafft. Den Sand aus dem Passeiertal konnte ich noch am nächsten Morgen aus meinen Augen reiben..

Tag 3: Ruhetag – Wegen des Regenwetters entschied ich, bereits am 3. Tag einen Handbike-Ruhetag einzulegen. Als nachmittags der Regen aufhörte, startete ich zu einem Stadtbummel mit dem Rollstuhl.

Um den Kalterer SeeTag 4: Vom Kalterer See nach Bozen – Wieder starteten wir mit einem Pkw-Transfer bis zum Kalterer See. Oberhalb des Sees befindet sich das barrierefreie Rolli-Hotel „Masatsch“. Nach einer Besichtigung kann ich dieses Hotel nur empfehlen. Danach ging es mit dem Liegebike eine Runde um den Kalterer See. Dann weiter in Richtung Auer, und auf dem Etschradweg zurück über Bozen nach Sigmundskron. Hier beendeten wir eine sehr schöne 33 km Radtour, verluden mein Handbike und fuhren mit dem Pkw zurück zum Hotel in Meran.

Tag 5: Wandern auf dem Ritten – Mit dem PKW ging es nach Bozen. Der Ritten ist der Hausberg von Bozen. Mit der barrierefreien Seilbahn gelangt man hinauf und kann von Oberbozen bis nach Klobenstein mit einer kleinen Bahn reisen. Auch hier ist Ein- und Aussteigen mit Rollstuhl kein Problem. Von Klobenstein fuhr ich mit  meinem Vorspannbike zu den Erdpyramiden. Immer wieder bekommt man einen Blick auf die Seiser Alm, Langkofel, den Schlern oder den Rosengarten. Mit dem Rollstuhl auf den Ritten – kann ich nur empfehlen.

Straßenbahnfahrt auf dem Ritten: Rolli-LiftTag 6: Auf dem Vinschgau-Radweg – Geplant war per barrierefreier Vinschgau-Bahn im Handbike von Bahnhof Meran-Untermais zur Station Töll zu fahren, um von dort mit dem Bike den ganz leicht ansteigenden Vinschgau-Radweg Blick zum Schlernin Richtung Mals zu befahren. Etwas chaotisch wurde unsere Planung über den Haufen geworfen. In Untermais gab es 30 min Verspätung. Also sind wir mit dem Bike bis Hbf Meran. Aber auch hier gab es Wartezeit. Darum radelten wir bis zur Station Algund. Hier kam nun endlich die Vinschgau-Bahn. Der Einstieg bzw. das Einrollen war problemlos. Und in 10 min waren wir in Töll. Von hier aus radelten wir bis kurz hinter Naturns, nach Staben. An dieser Stelle zweigt die Strasse ins Schnalstal ab. Und hoch oben, direkt über uns erhob sich die Burg Juval, der Wohnsitz des berühmten Bergsteigers Reinhold Messner. Als wir dann von Staben wieder in Richtung Meran fuhren, bemerkten wir erst, dass wir doch einige Höhenmeter geklettert waren. Denn jetzt rollte es fast wie von selbst. Bei Partschins mussten wir die Strasse queren. Da war Achtung geboten, denn die Strasse hoch zum Reschenpass ist fast immer gut befahren. Von Partschins ging es über 7 Pkw-VerladungSerpentinen hinunter in den Meraner Kessel. Glücklich und zufrieden gelangten wir nach rund 38 km zurück zum Hotel.

Fazit: Ein Handbike-Aufenthalt in Meran ist empfehlenswert. Bis auf den für Handbiker weniger geeigneten Passeiertal-Radweg gibt es toll angelegte Routen. Aber auch für die sportlichen Hardcore-Handbiker und „Bergziegen“ gibt es sehr reizvolle Ziele. Ein Abstecher zu Timmelsjoch, Jaufenpass oder auch zum berühmten Stilfser Joch ist kein Problem. Während meines Aufenthalts waren aber fast alle Pässe noch wegen Schnee geschlossen. Auf www.bikemeran.it gibt es viele weitere Infos zu Radwegen in Südtirol. Zumindest für Ortsunkundige Biker empfehle ich die Buchung über www.barrierefrei-reisen.at mit individueller Betreuung vor Ort. Der Support ist hervorragend, man muss sich nicht ständig auf die Route konzentrieren und kann so man seinen Urlaub viel besser genießen. Diese Woche in Meran hat mir sehr gut gefallen. Da komme ich gerne wieder .. 🙂


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