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Elberadweg barrierefrei: Von Dessau nach Dresden

Bereits im vergangenen Jahr hatte mich die Koordinatorin für den Elberadweg – Abschnitt Süd im Tourismusverband Sächsische Schweiz gefragt, ob ich nicht im Rahmen des Projekts „Elberadweg barrierefrei“ den beliebten deutschen Fernradweg auf seine Eignung für mobilitätseingeschränkte Touristen testen könnte. Natürlich war ich sehr angetan von der Idee, denn mittlerweile scheinen sich etliche Handbiker dafür zu interessieren.

Um wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, organisierte ich mir weitere Unterstützung. Denn auch für sportliche Tetraplegiker sollten die Örtlichkeiten geprüft werden. Und wer eignete sich dafür nicht besser als Stefan vom TetraTeam? Gemeinsam mit seinem Begleiter Bernd erkundeten wir vom 25.-28.05.2016 den Elberadweg von Dessau nach Dresden.

In der Planung hatte ich für die Strecke bis Dresden ursprünglich 6 Etappen vorgesehen, und weitere 2 Etappen von der Landeshauptstadt Sachsens bis zur deutsch-tschechischen Grenze (hier die Aufteilung der Etappen inkl. barrierefreier Unterkünfte). Da Stefan jedoch nur 4 Tage am Stück Urlaub nehmen konnte, strafften wir das Programm etwas. Obwohl es meiner Meinung nach der schönste Teil ist, strichen wir die zwei Touren in meiner näheren Heimat. Außerdem legten wir am 26. und 28. Mai zwei aufeinander folgende Teilabschnitte zu einer Etappe zusammen, welche dann 71 bzw. 64 km lang waren. Aufgrund seiner Läsionshöhe war das für Stefan eine besondere Herausforderung, die er zu unser aller Freude bravourös meisterte. Immerhin gab es ja keinen einzigen Ruhetag zwischen den Touren.

Das waren schließlich unsere Etappen (mit Verweis auf den jeweiligen GPX-Track bei Bikemap.net):

– 1. Etappe: Dessau – Wittenberg (40 km)
– 2. Etappe: Wittenberg – Torgau (71 km)
– 3. Etappe: Torgau – Niederlommatzsch (64 km)
– 4. Etappe: Niederlommatzsch – Dresden (40 km)

Da die Befahrung als Mehrtagestour konzipiert war, ergab sich zwangsläufig die Frage nach der (Transport-)Logistik. Wir wollten weder Rollstuhl noch Gepäck als Anhänger mit auf die Strecke nehmen, wie es beispielsweise Börni bei seiner Elberadwegtour praktiziert hatte. So organisierte die Projektkoordinatorin verschiedene Spediteure – die auch schon das Gepäck von Elberadweg-Fahrradtouristen befördern – für den Transport unserer Sachen. Abgesehen davon, daß der Gepäcktransfer an diesen vier Tagen reibungslos funktionierte, war ich überrascht von den (akzeptablen) Kosten, die dafür angefallen sind. Für den Transport des Gepäcks von Dessau über Wittenberg und Niederlommatzsch nach Dresden standen am Ende 180,- EUR zu Buche. Ungeklärt blieb allerdings der „finale“ Transfer von Leuten, Handbikes, Rollstühlen und Gepäck zurück an den Ausgangspunkt der Etappentour (in diesem Fall Dessau). Wir benötigten ihn nämlich nicht, weil Stefan von seinen Eltern mit dem Kleinbus abgeholt wurde, Bernd mit dem Zug den Rückweg antrat und ich gleich bis nach Hause mit dem Handbike weitergefahren bin.

Aus der Liste von nach Eigenaussage der Anbieter barrierefreien Unterkünften testeten wir während unserer Fahrt drei bzw. vier Quartiere:

– die Jugendherberge Wittenberg,
– die Pension „Zum alten Salzhaus“ in Torgau,
– die Unterkunft „Radhaus“ des Hotels „Elbklause“ in Niederlommatzsch sowie
– die Jugendherberge „Jugendgästehaus“ in Dresden

Alle waren prinzipiell gut geeignet, wobei in der Gesamtschau die Wittenberger und die Torgauer Unterkunft über dem Durchschnitt lagen. Hier gibt es eine (unvollständige bzw. selektive) Übersicht von möglichen barrierefreien Quartieren entlang des Elberadwegs im Abschnitt Süd. Übrigens, auch hier war ich von den Kosten (positiv) überrascht. Für die Übernachtung an allen vier Nächten fielen für uns drei zusammen Kosten in Höhe von weniger als 400,- EUR an, das sind ca. 130,- EUR pro Person.

Im Rahmen unserer viertägigen Testbefahrung konnten wir eine ganze Menge Erfahrungen sammeln und manchmal auch Verbesserungspotential feststellen. Natürlich werde ich mich dazu mit der Projektkoodinatorin austauschen, denn das war ja der Hintergrund für diese Initiative. Das Fazit der vier Tage ist jedoch durchweg positiv. Unsere Unternehmung hat außerdem gezeigt, daß auch Tetras den Elberadweg zwischen Dessau und Dresden befahren können, wenngleich dabei ein Begleiter ohne Handicap durchaus ratsam ist. Es gibt nämlich einige kurze Steilrampen (z.B. über Deichkronen), die übrigens auch Fahrer im Adaptivhandbike hin und wieder ausbremsen könnten.

Wer ein paar Stimmungsberichte zu den einzelnen Tagestouren lesen möchte, den verweise ich auf die entsprechenden Einträge in meinen Blog:

– 1. Etappe: Etappentour
– 2. Etappe: Zwei in einer
– 3. Etappe: Tour der Leiden
– 4. Etappe: Ende gut – alles gut!

Für weitere Informationen oder Anmerkungen zum Thema stehe ich gern zur Verfügung.

Der Elberadweg ist unbedingt eine Empfehlung für Handbiker!


4 Kommentare

  • Stefan kommentierte am 8. Juni 2016

    Das war ne tolle Zeit! Guter Bericht von Dir, Veit! Bei den Fotos bekomme ich sofort wieder Lust.. 🙂 Bis zur nächsten gemeinsamen Tour!
    Viele Grüße,
    Stefan

  • Marc Fauster | Grenzenlos B... kommentierte am 9. Juni 2016

    Toller Bericht und eine wunderschöne Tour!
    Alles Liebe,
    Marc | Grenzenlos Barrierefrei Reisen

  • Annette Pauli kommentierte am 1. November 2016

    Hallo, kann ich nur bestätigen, wir haben letztes jähr den kompletten Elberadweg gemacht bis Hamburg. Die „Wildpflasterstrecken“ waren mehr als „spannend“, vor allem eine Treppe, vor der wir hinter einer engen Kurve auf einmal standen… meinen Bericht findet ihr auch auf dieser Seite. Hat jemand schon mal den Neckarradweg ausprobiert?
    Liebe Grüsse Annette

  • Veit
    Veit kommentierte am 1. November 2016

    Ja, dann will ich auch noch Deine Tourenbeschreibung verlinken: http://handbike.de/wp/handbike-touren/read/151/ – Deine Hinweise sollen auch den anderen Lesern hier zugänglich sein!

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