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Fahrradnavigation: Teasi Pro vs. Garmin Edge 1000

Vor einigen Monaten hatte ich Grundsätzliches über den Einsatz von Fahrradnavigationsgeräten für Handbiker geschrieben. In der Zwischenzeit ist bei mir neben dem bisher vorhandenen Navi „Teasi Pro“ noch ein „Garmin Edge 1000“ hinzugekommen, den ich als einen der Preise für den 2. Platz bei einem Fotowettbewerb gewann. Beide Produkte konnte ich somit nun ausgiebig im Gebrauch testen. Weil ich der Meinung bin, daß meine Erfahrungen mit diesen Instrumenten von Interesse für potentielle Käufer sein könnten, nachfolgend einige Ausführungen.

Einordnung

Vorweg eine klare Abgrenzung. Während das Teasi-Navigationsgerät das Hauptaugenmerk auf die Tourennavigation legt, ist der Garmin Edge 1000 der prädestinierte Trainingscomputer, bei dem die Navigation gleichberechtigt neben umfangreichen Trainingsfunktionen existiert. Allerdings sollte für das Training sinnigerweise der Edge 1000 zusammen mit den im Bundle erhältlichen Sensoren (Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Herzfrequenz + optional weitere Sensoren) erworben werden, damit möglichst genaue Werte protokolliert werden können. Der Teasi Pro kennt zwar auch eine Trainingsfunktion, aber die ist m. E.  nur eine Spielerei und nicht für das zielgerichtete Training geeignet.

Preis

Das Teasi (Pro bzw. One) ist für alle diejenigen interessant, die ein vergleichsweises günstiges Navigationsgerät suchen und für welche die Trainingsfunktionen nicht im Vordergrund stehen. Demgegenüber muß man beim Erwerb eines Garmin Edge 1000 wesentlich mehr löhnen – sofern man das Gerät nicht geschenkt bekommt. 🙂 Nicht zuletzt bezahlt man hier wohl auch den Markennamen mit.

Funktionalität

Wer geglaubt hat, am Teasi sei nun alles schlechter oder weniger ausgereift, der liegt falsch. Einige Funktionen bzw. Darstellungsmöglichkeiten – gerade im Rahmen der Fahrradnavigation – vermisse ich schmerzlich beim dreimal so teuren Kollegen von Garmin. Hierzu gehören beispielsweise die Angabe von zu erwartenden Höhenmetern im Anstieg für hochgeladene Tracks (die allerdings im Teasi meist viel zu hoch gegriffen ist) oder das Setzen von POIs (Points of Interests) während der Aufzeichnung. Auch die Darstellung im Teasi mit dem Radler innerhalb des Streckenprofils, also wo dieser sich gerade innerhalb der Tour befindet, gibt es nicht bei Garmin. Damit kann der Benutzer nämlich wunderbar feststellen, welche Anstiege ihn noch erwarten. Zwar stimmt diese Darstellung beim Teasi nicht mehr, sobald man mal von der Strecke abgewichen ist, doch läßt sich dies durch das Neuladen der Tour korrigieren.

Beim Garmin muß die Fahrradnavigation mit etlichen Funktionen weniger auskommen. Hier gibt es weder die Möglichkeit, einen geplanten und erstellten Track in entgegengesetzter Richtung zu befahren, noch, sich bestimmte Alternativrouten (kürzester Weg, leichtester Weg, optimale Variante) berechnen zu lassen. Wer jedoch hauptsächlich hochgeladene Tracks nachfahren möchte, ist damit trotzdem gut bedient, denn eine Richtungsumkehr wird auch von manchen Online-Tourenportalen als Option beim Download des Tracks angeboten. Die Stärke des Garmin liegt eindeutig bei der Trainingssteuerung. Und dafür gibt es extrem viele Möglichkeiten, bestimmte Leistungsparameter zu überwachen sowie zu erfassen. Dazu kommt ein Unterprogramm namens „Virtual Partner“. Wie ich dieses nutze, dazu später.

Handhabung

Designfetischisten würden sagen, daß das Garmin-Gerät im Erscheinungsbild viel wertiger wirkt. Aber darauf kommt es mir nun wirklich nicht an, zumal sich das auch der Hersteller ordentlich bezahlen läßt. Die Praxistauglichkeit ist viel wichtiger.

Montage des Garmin (bzw. des Teasi) am HandbikeDie Möglichkeiten zur Befestigung des Navigationsgerätes am Handbike sind mitunter ausschlaggebend dafür, ob dieses verwendet werden kann. Teasi hat dafür das 4-Quick-Fix-System, für welches ich mir eine nicht im Lieferumfang enthaltene Halterung gekauft habe, die nun aber ausgezeichnet paßt. Beim Garmin war das etwas komplizierter. Da ich wegen des Kettenblattes inkl. Einhausung nicht ausreichend Platz hatte, um das Navi durch eine 90°-Drehung in der Halterung zu befestigen, suchte ich nach einer Alternative. Im Netz fand ich dazu diese Anleitung, die dafür benötigte Adapterplatte gibt es hier. Nun kann ich mit dem 4-Quick-Fix-System alle beiden Geräte am Handbike nutzen.

Hinsichtlich der Lesbarkeit des Displays schneidet das Teasi leider wesentlich schlechter ab. Das verwendete Anzeigemodul läßt den Nutzer bei hellem Licht komplett allein, wenn man nicht mit permanenter Displaybeleuchtung fahren will (und selbst da ist die Ablesbarkeit nicht gerade überragend). Hier ist der transreflexive Bildschirm des Garmin Edge 1000 klar im Vorteil, denn bei direkter Sonneneinstrahlung läuft er gerade erst zu Hochform auf, weil das Licht durch Reflexion die Darstellung verbessert und eine zusätzliche Beleuchtung des Displays unnötig macht.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts - links das Teasi!Die Bedienung der Navigationsgeräte unterscheidet sich erheblich zwischen den Herstellern. Das Teasi setzt dabei auf eine klare Menüstruktur, die innerhalb kurzer Zeit erlernbar ist. Dagegen ist beim Edge manches etwas versteckt untergebracht, auch erschließen sich manche Dinge bzgl. der Softwareergonomie nicht so ohne weiteres. Beispiel gefällig? Es gibt sowohl einen „Los“-Button in der Software als auch eine physische Start-Taste unterhalb des Displays. Nach einer intensiven „Einarbeitung“ kann der Nutzer jedoch eine ganze Menge mit dem Gerät anstellen – und auch ich habe bestimmt noch nicht alles herausgefunden.

Das Thema Karten für die Navigation spielt für viele Nutzer wahrscheinlich eine eher untergeordnete Rolle. Beim Teasi ist lediglich die Verwendung der mitgelieferten vektorbasierten Karte (Basis OSM) möglich. Diese wird jedoch regelmäßig aktualisiert und ist inzwischen auch grafisch viel besser aufbereitet als vorherige Versionen. Nur Rasterdatenkarten kann man noch hier zusätzlich auf das Gerät hochladen und im Navi verwenden (wobei für das Routing nach wie vor die darunterliegende Vektorkarte verwendet wird). Ich habe es selbst getestet und war von der Qualität solcherart erzeugter Karten bei der Anzeige im Teasi nicht überzeugt. Dagegen punktet hier der Garmin Edge, denn wie auch bei vielen weiteren Garmin-Produkten können alternative kostenlose Vektorkarten nahezu problemlos verwendet werden. Anleitungen und Download-Quellen dafür gibt es zuhauf im Netz. Der Rest ergibt sich – so wie bei mir – durch Probieren. Für mich ist diese Möglichkeit übrigens vor allem deswegen interessant, weil ich als Bergefahrer aus den Höhenlinien der SRTM-OpenStreetMap-Karte auch wichtige Rückschlüsse auf das Streckenprofil ziehen kann. In der mitgelieferten Standardkarte von Garmin werden nämlich diese Information zur Höhe nicht grafisch dargestellt.

Auch bei der Akkulaufzeit hat der Garmin knapp, wenn auch nicht signifikant, die Nase vorn. Wie lange dieser durchhält, hängt dabei nicht nicht nur von der Konfiguration des Gerätes ab („Dauerlicht“ beim Teasi ist in dieser Hinsicht Gift), sondern ebenfalls von den Umgebungsbedingungen. Bei Frost sinkt beispielsweise die Nutzungsdauer drastisch. Sonst reicht eine Ladung in der Praxis beim Teasi Pro etwa 6-7 Stunden, beim Garmin Edge 1000 ungefähr 7-8 Stunden. Für die meisten Handbiker ist dies sicherlich ausreichend. Zusätzlich verlängert der Einsatz einer Powerbank die Einsatzzeit erheblich. Das Tolle daran gilt für beide Geräte: Bei laufender Touraufzeichnung kann die Powerbank nicht nur angeschlossen und ggf. wieder entfernt bzw. ausgetauscht, sondern das jeweilige Gerät kann auch während des Ladevorgangs weiterhin uneingeschränkt (z.B. für Aufzeichnung bzw. Navigation) genutzt werden. Ich verwende dazu auf meinen Touren regelmäßig bei Bedarf eine Gürteltasche, in welcher ich die Powerbank deponiere und von dort den externen Akku mittels eines entsprechend kurzen Kabels mit dem Navi an der Handbikegabel verbinde.

„Training“ mit dem Garmin Edge 1000

Bereits weiter oben hatte ich den sogenannten „Virtual Partner“ von Garmin erwähnt. Das Programm ist ausgezeichnet geeignet, definierte Geschwindigkeitsvorgaben zu überwachen und damit seine Tour bzw. das eigene Training besser zeitlich zu koordinieren. Nachdem ich diese Sache ursprünglich komplett ignoriert hatte, ist mir der „Virtual Partner“ heute ein effektives Life-Planungs-Instrument während der Tour.

Dem Virtual Partner dicht auf den Fersen - Zu sehen auf der KartenansichtDie Trainingsseite mit den Daten des Virtual PartnersWie das funktioniert, dazu ein kurzes Beispiel zur besseren Veranschaulichung: Meine langen Ausfahrten kalkuliere ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h. Diesen Wert kann ich entweder auf der Displayseite des Virtual Partners beim Start der Tour eingeben, oder sie direkt im Track, den ich nachfahren will, „programmieren“ (Wie ich das handhabe, dazu weiter unten.) Sobald ich losfahre, „fährt“ auch der Virtual Partner. Ist man schneller als er (d.h. als die zuvor eigegebene Geschwindigkeit), baut sich ein Vorsprung auf, hängt man hinterher, wird auch das auf der Trainingsseite angezeigt – sowohl die Entfernung als auch die Zeitdifferenz (s. Abbildung). Besonders nützlich ist diese Möglichkeit des Garmin Edge 1000 für Teilnehmer an Veranstaltungen mit einer festgelegten spätesten Zielankunft. Dann ermittelt man zunächst aus verfügbarer Zeit und Streckenlänge die mindestens erforderliche Durchschnittsgeschwindigkeit und fährt dann gegen den Virtual Partner. Bei meiner Teilnahme am Styrkeprøven 2012 mußte ich noch mühsam meine Durchgangszeiten an den Raststationen berechnen und wußte dann auch immer nur dort, ob ich im Zeitplan liege. Das geht mit dem Virtual Partner wesentlich einfacher, außerdem erfolgt die Kontrolle permanent.

Wie kommt nun also die Angabe der Geschwindigkeit in den Track, den man nachfahren möchte? Bei GPSies.com ist das ganz simpel. Hier muß man vor dem Download des ausgewählten Tracks einfach nur die gewünschte (Durchschnitts-)Geschwindigkeit angeben, wie auf der linken Abbildung ersichtlich. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung des Freeware-Windowsprogramms „GPS-Track-Analyse.NET“, welches nicht mehr weiterentwickelt, aber noch über Computerbild hier heruntergeladen werden kann. Die Bedienung ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man es begriffen hat, eröffnen sich damit etliche Möglichkeiten. Siehe dazu auch die weiteren beiden Bilder.

Download einer Tour von GPSies.comÄnderung der Startzeit mit GPS-Track-Analyse.NETDialog für die Änderung der Startzeit mit GPS-Track-Analyse.NET

Fazit

Als Zusammenfassung habe ich festgehalten, was mir beim jeweiligen Gerät besonders gefällt:

Teasi Pro (One): Klare Menüführung, Erweiterte Navigationsoptionen, gleichzeitiges Laden und Nutzung, passende Halterung auch für mein Handbike, Preis

Garmin Edge 1000: Gute Ablesbarkeit des Displays, ausgereifte Trainingsfunktionalitäten wie z.B. der „Virtual Partner“, gleichzeitiges Laden und Nutzung, Verwendbarkeit von externen, kostenlos verfügbaren Vektorkarten

Sicher gibt es noch vieles anderes, was über diese beiden Fahradnavigationsgeräte zu sagen wäre. Ich habe mich wegen des Umfangs nur auf einige wenige, mir besonders ins Auge gefallenen Aspekte konzentriert. Falls ihr mehr zu einzelnen Themen wissen wollt, fragt einfach in den Kommentaren. Es wäre jedenfalls schön, wenn diese Infos euch bei der Entscheidungsfindung helfen könnten. – Sofern ihr euch ein Fahrradnavi anschaffen wollt.

Über konstruktive Kommentare freue ich mich.

PS: Ich bekomme für diesen Beitrag keine Provision oder sonstige Vorteile von den Herstellern!


Ein Kommentar

  • Stefan kommentierte am 6. Juni 2017

    Guter Beitrag Veit!
    Vielleicht kennst Du ja diese Seite: https://www.relive.cc (mit Demo Video)
    Kann man seine Tour im Nachhinein schön präsentieren..
    Geht aber wohl leider nur in Verbindung mit Garmin bzw Strava.
    Viele Grüße,
    Stefan

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