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Zum Thema Handbikesport…

von Torben Bröer

Nachdem die Szene vereint wie selten das Thema „Boris/1000 km-Rekordversuch“ diskutiert hat, da solche Aktionen unbestritten dem Handbikesport schaden, frage ich mich, warum eine öffentliche Diskussion über die bei der UCI herrschendenden Missstände hingegen nicht erfolgt. Es wird seit Jahren sehr oft an den Vorgaben/Richtlinien vorbei klassifiziert, offensichtlich „Länder-Lobbyismus“ betrieben und zudem bei großen Wettkämpfen in puncto Sitzposition und technischer Ausstattung mit zweierlei Maß gemessen.
Der (Negativ-)Höhepunkt ist nun mit der Änderung in den Klassen H1-H2 erreicht.


Einer der entscheidendsten Unterschiede zwischen Tetras und Paras – die Einschränkungen des Vegetativums, d. h. z. B. die Fähigkeit zu schwitzen und die Pulsfrequenz – wurden lieber gestrichen, als sich ernsthaft mit den durch einschlägige Studien nachgewiesenen Auswirkungen zu beschäftigten und diese endlich adäquat in die Klassifizierungsrichtlinien aufzunehmen (und dann auch zu überprüfen und entsprechend zu klassifizieren, was mit den heutigen Methoden ein Leichtes ist).

Spannend wird es sicher auch in der Klasse H4, wenn nach der zu erwartenden Auflösung der Klasse H5 (wenn der sportliche und menschliche Glücksfall Alex Zanardi abtritt und die Klasse für die UCI uninteressant wird) massenweise gering eingeschränkte Sportler in die H4 kommen. Ein kompletter Querschnitt wird dann kaum noch Chancen haben, ein Rennen zu gewinnen.
Leider es ist eher unwahrscheinlich, dass es für die gering Eingeschränkten eine eigene, neue Liegebike-Klasse geben wird, auch wenn dieser Zeitpunkt eine große Chance für eine Neustrukturierung der Klassen wäre.

Kann man denjenigen Athleten einen Vorwurf machen, die versuchen, in eine Klasse zu gelangen, in die sie zwar nach den Regularien nicht gehören, deren Tür für sie aber durch die Klassifizierer geöffnet wird? Viele werden sagen: „Mir doch egal.“ Aber alle Entscheidungen, die im Spitzensport eine Rolle spielen, werden zeitnah auch bei den Rennen NHC, EHC und Handbike-Trophy usw. ankommen und dann wird der Kreis, den es betrifft, auf einmal groß und dies erschwert u. a. das Rekrutieren von Nachwuchssportlern und beeinflusst die Zufriedenheit bei Hobby-Fahrern. Wie soll man ambitionierten Nachwuchs fördern, wenn man erklären muss: „Du wirst zwar nie gewinnen können, aber der Sport ist ja so toll!“


2 Kommentare

  • Carsten
    Carsten kommentierte am 7. Juli 2017

    Das Problem ist doch, daß Behindertensport und speziell Handbiken, von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird. Wie will man jemanden dann noch erklären warum die Klassen so wichtig sind? Es gibt ja viele, die halten das Handbike für ein Liegefahrrad und denken wir fahren nur so zum Spaß damit rum. Dann hört man z.B. „Sie sind jetzt aber nicht behindert?“ oder „Ist das auch Sport?“ Von der UCI und dem drs fühlt sich auch keiner so richtig für uns verantwortlich, obwohl es den Sport schon bald 20 Jahre gibt. Und dann das große Problem Geld. Man kann ja den Nachwuchs nicht unterstützen ohne Geld. Und ohne Nachwuchs gibt es in einigen Klassen nur ein, zwei Starter. Mit 35 gehört man ja noch zu den jungen Fahrern. Das gibt es in keiner anderen Sportart.

  • Olaf kommentierte am 7. Juli 2017

    ich würde erstmal unterscheiden
    UCI
    EHC, NHC, Handbike-Trophy
    DRS, den die Handbiker mal völlig vergessen sollten, weil zum handbiken für die UCI-Wettkämpfe braucht man eine Radsportlizenz und die bekommt man über den Radsportverband. Ich sprech jetzt mal für den GC Nendorf (Vico, Christiane und Co.)
    unsere Ansprechpartner sind der niedersächsische Radsportverband und der Behindertensportverband Niedersachsen.
    International (also UCI und IPC) werden die behinderten Radsportler über den Radsport in den Gremien vertreten.
    Das heißt, die Ergebnisse aus den Klassifizierungen (aller behinderten Radsportler) laufen über die Ausbildung der Radtrainer und Funktionäre.
    Übrigens gilt das grundsätzlich, beim IPC werden die Vertreter aus dem jeweiligem Fachverband gestellt (als Beispiel die Kanuten werden durch den Kanu-Verband vertreten usw.) und dort hat man dann die jeweilige Sonderproblematik Querschnittlähmung in den Sportarten für Behinderte.
    Ja, es gibt einschlägige Untersuchungen/Beobachtungen (ich würde nicht sagen Studien) zu den Defiziten/Einschränkungen der Querschnittlähmungen. Es geht um ein „paar“ Sportler innerhalb einer Gruppe „Behinderter“.
    Innerhalb der NHC/EHC/Handbike-Trophy bilden die Querschnittglähmten die weitaus größte Gruppe und das verzehrt vielleicht ein bisschen die Wahrnehmung auf die „eigene Bedeutungslosigkeit“.
    Aber, ich gebe Dir Recht !!!!! Torben es geht darum sich bemerkbar zu machen und einen Weg zu finden, zumindest „gefühlte oder tatsächliche“ Missstände anzusprechen und Fürsprecher für die eigene Sache zu gewinnen und das geht nur, wenn sich Personen auf vielen Ebenen finden und versuchen daran zu arbeiten.
    Von aktiven Sportler wirst Du wahrscheinlich wenig Unterstützung erwarten können, wer sägt womöglich auf dem Ast, auf dem er sitzt.
    Der erste Schritte wäre: wer ist bereit auf einem langem Weg die ersten Schritte mitzugehen? Wissend, daß er möglicherweise nicht derjenige sein wird, der ihn zu Ende gehen wird.
    Nachwuchs: ist sehr schwierig, gerade hinsichtlich Arbeitsplatz, Ausbildung etc.auch da ist Deutschland Entwicklungsland (mal abgesehen von den Rentner 😉
    Viele Grüße
    Olaf

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