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Eng und Großer Ahornboden

Autor: Albert Hirschbichler

Ein reizvolles Ziel. Im Sommer mit dem Handbike, im Winter mit dem Langlaufschlitten.

Das Rißtal mit der „Eng“ und dem Großen Ahornboden im Karwendelgebirge ist wohl eines der schönsten Täler in Tirol. Ein asphaltiertes Sträßchen führt von Vorderriß (800 m) über Hinterriß (930 m) bis zum Talschluss („Eng“, 1230 m). Im Sommer eine sehr empfehlenswerte Rad- (bzw. Handbike-) Tour. Im Winter führt von Hinterriß eine Loipe („Karwendelloipe“) in das sonst menschenleere Tal.

Mit dem Handbike startet man am besten in Vorderiß (Parkplatz beim Gasthaus „Post“).

 

Schon die Fahrt entlang des munteren Rißbaches (ca. 13 km) nach Hinterriß, der einzigen ganzjährig besiedelten Ortschaft im Karwendel, ist ungemein reizvoll. Von der Mautstelle in Hinterriß sind es noch einmal 13 Kilometer (asphaltiert) bis zum Großen Ahornboden mit dem Almdorf Eng (1230 m). Taleinwärts wird die Landschaft immer noch schöner, leider gibt es an schönen Wochenenden, besonders im Herbst, viel Ausflugsverkehr.

Am Ahornboden (Naturdenkmal) im Talschluss erheben sich aus einem flachen, von schroffen Bergen gerahmten Wiesengrund hunderte isoliert stehende, uralte und knorrige Bergahorne, einmalig und unbedingt sehenswert, besonders vom Handbike aus.

Anmerkung des Redakteurs: Die Beschreibung der Auffahrt findet man auch im Rennrad-Pässelexikon „Quaeldich.de“.

Im Winter ist an der Mautstelle Schluss (Schranke). Im Februar 2018 war der Weiterweg geräumt, sodass die Eng außer für Langläufer auch für Winterwanderer zugänglich war.

Die Karwendelloipe beginnt am Ortsende von Hinterriß, eine günstige Einstiegsstelle für Schlittenlangläufer befindet sich taleinwärts am Parkplatz bei der Mautstelle.

Samstag 24. Februar 2018: Die Anreise über den Irschenberg, Tegernsee, Sylvensteinspeicher usw. dauerte länger als gedacht. Um 11 Uhr starte ich endlich. Der Wetterbericht vermeldete arktische Temperaturen. Es ist wirklich kalt. Eine Nebelschicht liegt auch noch über dem Tal, die sich aber im Lauf des Tages verziehen soll. Entlang des Fahrsträßchens, dann über eine Brücke und auf der anderen Seite des Baches weiter auf einem Forstweg führt die Loipe. Ein paar kurze Anstiege warten, sonst geht es meistens ziemlich flach dahin.

Bis zu den Hagelhütten liegt die Loipe im Schatten des Laliderer Falk, dessen Felswände rechterhand aufragen. Bei den Holzhüttchen kommt eine längere Steigung, das Tal weitet sich und wendet sich in Richtung Süden. Gerade zur rechten Zeit haben sich mittlerweile auch die Wolken aufgelöst und die Sonne scheint von einem makellos blauen Himmel.

 

Mir fällt eine Begebenheit vor einigen Jahren ein. An der Stelle gibt es auf der Straße einen Viehrost. Ich war mit dem Handbike unterwegs. Von oben kam mir ein Mountainbiker mittleren Alters, der Aussprache nach aus nördlichen Regionen, entgegen. Als er mich sah, stieg er von seinem Bike legte sich ausgestreckt auf den Viehrost und bat mich um ein Foto. Genau hier sei er vor Jahren gestürzt und musste mit Rettungsdienst abtransportiert werden. Eine schöne Erinnerung. Witzbold. Ich mache das Foto, er bedankt sich und fährt gleich weiter.

Vom Ende der Steigung ist es nicht mehr weit zum Ahornboden. In der Sonne, mäßig aber dauerhaft ansteigend, führt die Spur mitten durch eine makellose Schneefläche, aus der die Ahornbäume ragen. Es ist wirklich ein Erlebnis! Dann das Almdorf. Im Sommer viel Betrieb. Im Winter menschenleer, meterhoher Schnee auf den Dächern der Holzhüttchen. Erst ab Mitte Februar kommt die Sonne hin. Auf einer Holzbank raste ich, aber die Sonne entwickelt heute keine Kraft, sodass keine rechte Gemütlichkeit aufkommt. Ich verspeise meinen Müsliriegel, zum Trinken habe ich nichts dabei, weil ich dachte bei der Kälte keinen Durst zu kriegen, was leider nicht stimmt. Ich halte mich nicht lang auf.

 

Dann der Rückweg. Auf der schrägen Fläche des Ahornbodens läuft es ganz von allein mit Blick auf die Berge talauswärts im Licht der Nachmittagssonne. Auch der weitere Weg ab den Hagelhütten geht ziemlich mühelos vonstatten. Entsprechend dem Gefälle des Rißbaches geht es bis auf ein paar kurze Gegenanstiege meistens leicht bergab. Unten ist die Sonne wieder weg, zum Schluss kommt auch noch ein eiskalter Wind auf, froh bin ich als ich wieder beim Auto bin. Es war wirklich kalt heute, aber schön auch. Die Eng ist immer wieder was Besonderes! Im Sommer wie im Winter.

Übrigens: auf GPSies.com findet sich der Track der beschriebenen Langlauftour. Toni Engelhard einmal mehr Dank für die endgültige Bearbeitung des Tracks!

Anmerkung des Redakteurs: Aufgrund der Streckenlänge von insgesamt knapp 30 km, bei der es auf den den ersten 15 km (= Hinfahrt) fast 300 Hm bergauf geht, ist die Tour in Gänze sicher eher etwas für konditionsstarke Langlaufschlittenfahrer. Auf dem Rückweg gilt es zudem, einige Passagen mit stärkerem Gefälle zu bewältigen – ebenfalls eine Herausforderung für Geübte, den Schlitten über eine geeignete Fahrtechnik abzubremsen. Die Strecke kann jedoch abgekürzt werden, indem man den Umkehrpunkt entsprechend zeitiger wählt.


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